Dienstag, 14. Februar 2012

Schnee ade ?

Wenn man Petrus trauen kann, ist der schlimmste Teil des Winters zumindest momentan, vorbei.
So dürften auch die Zeiten der glatten Wege und Straßen zu Ende sein. Glücklich kann ich für diesen Winter sagen, kein einziger Sturz oder angebrochene Rippen waren zu beklagen.
Und das kommt bei mir äußerst selten vor.  (Bilder: der letzte Schnee von heute abend)

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Aber einige meiner (alten) Knochen und Gelenke sind trotzdem  angeschlagen.
Denn viele Wege im Wald sind in katastrophalem Zustand und kaum begehbar.
Ganze Kolonnen von "Waldschraten" fällen den Pfälzerwald leer, als ob es kein Morgen mehr gebe. Wo früher beschauliche Wege Wanderer und Naturfreunde erfreuten, fräßt man heute mit schwerstem Gerät autobahnbreite Straßen in den Wald.  Und selbst wenn irgendwann die Wege wieder glattgemacht werden,
sind die Schäden oft irreparabel.
Aber was sind schon eine handvoll protestierende Naturgenießer gegen die Lobby der Holzfäller?
Das schmerzt nicht nur in den Beinen sondern auch in der Seele.




Freitag, 10. Februar 2012

Beim aufräumen gefunden

Geschrieben nach meinem Jungfrau Marathon 2007

Emotionen am Berg


Die letzten Meter vor dem Ziel werden zum großen Tränenlauf. Am höchsten Punkt des Marathons auf 2200 Metern Höhe, ist der Klang des legendären Dudelsackspielers die herrlichste Musik der Welt. Noch 1000 Meter trennen die Läufer vom Ziel auf der Kleinen Scheideck.

Butterweich werden die „härtesten“ Männer hier gleich ankommen, denn bei nahezu allen Läufern liegen Nerven und Seele blank. Auch ich kann mich schon einige Meter vor dem Zielstrich meiner Tränen nicht mehr erwehren. Die Härte der letzten Kilometer hat mich völlig aufgewühlt. Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen und lassen hemmungslos ihren Emotionen freien Lauf.

Ein ganzer Läufervolk liegt entweder vor Freude oder gewaltiger Demut in Tränen !

Hier oben am Berg sind nach 42 Kilometer alle gleich, egal ob ihr Lauf drei, fünf oder sechs Stunden gedauert hat. Jeder ist kaputt und trotzdem überglücklich. Für mich ist der Traum vieler Marathonläufer in Erfüllung gegangen einmal das Finishertrikot des Jungfraumarathons überzustreifen zu dürfen.

Vergessen sind jetzt die unmenschlichen Qualen der steilen Anstiege in der prallen Mittagssonne. Keiner denkt mehr an die ausgebrannte Kehle die sich immer schwerer tat noch Flüssigkeiten aufzunehmen. Lächelnd betrachtet man jetzt seinen Selbstzweifel als auf den letzten Kilometern beide Waden den Aufstand probten, und der Magen lautstarke Protestrufe ausstieß. Jetzt steht man oben, ganz Oben. Was für ein Erlebnis!


Später am Abend beim Bankett lausche ich „alten“ Berghasen wie sie über die tiefen Spuren sprechen, die Erlebnisläufe dieser Art hinterlassen. Sie lachen über Kleinkriege die viele Familien zu ihrem Lebensinhalt machen und haben für manche anderen „wichtigen“ Nebensächlichkeiten nur noch ein müdes Lächeln übrig.

Ich höre dabei aber keine Überheblichkeit heraus, sondern gesundes Selbstbewusstsein das wahrscheinlich aus der Kraft erwachsen ist, Unmögliches möglich zu machen. Und in manchen Sätzen fällt es mir gar nicht schwer mich selbst darin wieder zu finden.

Viele, wie auch ich, brauchen Tage oder sogar Wochen den Film des Laufes richtig zu ordnen. Immer wieder kommen vergessene oder verdrängte Details hinzu, die sich nun erst langsam zu einem großen Puzzle zusammenfügen.
Der Ruf des Berges war gewaltig. Er wird mich irgendwann wieder einholen.

Sonntag, 5. Februar 2012

Tageslicht

Ich hatte schon beinahe vergessen wie toll das Laufen bei Tageslicht ist. Gestern habe ich das Gefühl aber wieder gefunden. Zusammen mit meinem Freund Martin sind wir etwa 22 Kilometer durch den Pfälzerwald gerannt, gestampft und gerutscht. Zwischen tiefstem Winter und leisen Anflügen von Frühlingssonne war alles vorhanden. Heute morgen war ich noch einmal kurz "auslaufen".

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Dieser Tage hat mir eine liebe Facebookfreundin als Schlußsatz geschrieben: "tschüss, Hans im Glück."
Recht hat sie. Ich bin ein "Hans im Glück." Denn es ist mir gegönnt, die wahren, schönen Seiten des Lebens sehen und genießen zu dürfen. In großer Demut sage ich danke dafür.
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Freitag, 3. Februar 2012

Wenn es Nacht wird


Ich kann es mir selbst nicht erklären. Normalerweise muß ich mich sogar an "lauen" Tagen oft überwinden, abends noch ein paar Runden zu laufen. Jetzt wo es bitter kalt ist, zieht es mich aber magisch raus.
Einerseits ist die Ruhe der Nacht gespenstisch, andererseits ist es abenteuerlich ganz allein durch menschenleere Straßen zu laufen.
Heute war es extrem kalt und stürmisch. Gefühlte Temperatur 15° Minus, tatsächlich wahrscheinlich 5° wärmer. Bei heftigem Gegenwind beginne ich den Lauf direkt mit einem kräftigen Anstieg. Die kalte Luft drückt mir auf die Bronchien. Trotzdem läuft es auch heute wieder so perfekt, dass ich über mich selbst sehr verwundert bin. Noch am Sonntag hatte ich mich wie ein "alter Rentner" über die Berge gequält. Ich steige einfach nicht in die Geheimnisse meines Körpers ein. An meinem "Übergewicht" kann es wohl nicht alleine liegen, denn abgenommen habe ich trotz vieler Versuche immer noch nicht.
Aber was soll`s. Warum soll ich denn die Gründe meiner plötzlichen Fitness erforschen. Ich bin einfach froh, dass es mir gut geht..
Und wenn die Knie nicht schlappmachen, laufe ich morgen Abend zum vierten Mal diese Woche durch die dunklen, holprigen und oft schlecht geräumten Straßen vom "Besten Pirmasens der Welt."
So jedenfalls sagte es einmal eine knackige Werbung an den Plakatwänden unserer Stadt.

Sonntag, 29. Januar 2012

Grenzweg






Nur wer genau hinschaut kann noch erkennen, dass es hier an der Grenze zwischen Frankreich und Deutschland im letzten Jahrtausend alles andere als friedlich zuging. Westwallreste und kilometerlange Schützengräben sind Zeugen unzähliger Schlachten in zwei Weltkriegen.  

Heute ist von all dem nichts mehr zu spüren. Man lebt in friedlicher Koexistenz neben und miteinander. Radfahrer, Läufer oder Wanderer genießen grenzenlose Bewegungsfreiheit.
Die gesamte Region bis weit nach Frankreich hinein gehört zum grenzüberschreitenden Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen.

Viele Kilometer entlang der Grenze verläuft heute der Grenzweg, mal hüben mal drüben.


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Leider war das Wetter heute alles andere als gut, um die Natur so richtig zu genießen. 
Leichter Schneefall und glitschiger Boden machten die An und Abstiege zu einem Abenteuerlauf.
Trotzdem oder gerade deshalb haben die 14 Kilometer mir viel Spass gemacht.

Samstag, 21. Januar 2012

Stürmisch

Der Wind peitscht den Regen durch die Pirmasenser Innenstadt. Obwohl es erst 14:00 Uhr ist, sind die Straßen schon nahezu menschenleer. Sauwetter eben! 

Ein Läufer, in den besten Jahren, versucht seiner Frau klar zu machen, dass im Moment bestes Laufwetter ist. Seine Argumente sind  sehr schwach und nicht überzeugend. Trotzdem steht er 10 Minuten später in lockerer Laufkleidung auf der Straße. 

Weitere 10 Minuten später hat der Regen seine Kleidung um schätzungsweise 2 Kilogramm schwerer gemacht. Keine idealen Bedingungen für einen Läufer der dank seines Schokoladenrausches bereits an der Grenze zum Übergewicht durch die Gegend läuft.

Im Schutz der Häuser hält sich der Wind noch in Grenzen, aber ab dem Stadtrand wird es ziemlich heftig.




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Unterwegs wird er an einsamen Gartenhütten vorbeilaufen und hoffen, dass die Hunde nur halb so groß wie die Warnschilder vor ihnen sind. Die Löcher in den Zäunen dokomentieren, dass so mancher Vierbeiner wohl ab und zu ein Freigänger ist.


Etwa 5 Kilometer muss der arme Mann nun über freies Gelände laufen. Jeder Schritt gleicht einem steilen Berganstieg. Seine geliebten Laufschuhe sind dank vieler  unpassierbaren Wege zu  Badelatschen geworden. Knackende und stark schwankende Bäume schrecken nur am Anfang. Irgendwann ist alles Gewohnheit.
Und obwohl ihn wieder das Knie quält, läuft er die letzten Kilometer sogar  in „Endbeschleunigung.“  Ein echter Teufelskerl eben.


Zuhause wird er seiner verständnisvollen Familie von einem tollen Nachmittag erzählen;
alle werden es glauben und stolz auf ihn sein.

Donnerstag, 12. Januar 2012

Urkunden haben was

Tatort, irgendwann heute mittag in meinem Geschäft. Zwei Kunden, so irgendwo im Alter zwischen Spätpupertät und Frührentnerstatus bestellen im Tonfall eines Disco Rausschmeissers zwei Konzertkarten. Aber jahrzehnte langer Umgang mit allem, was unser lieber Gott in guten und schlechten Zeiten so produziert hat, lassen meinem Adrenalinspiegel nicht mehr so schnell steigern.

So lässt mich auch der Satz des Wortführers der beiden Helden, nahezu kalt.
"Hör mal Alter, was machst Du, wenn wir die Karten jetzt einfach nehmen, und abhauen?"
"Komm ich zeige es Dir, vorausgesetzt Du kannst lesen," antworte ich, und zeige ihm flux ein paar meiner Lauf-Urkunden.
"Verdammt, Du bist ja richtig gut", höre ich ihn sichtlich beeindruckt sagen. "Außerdem habe ich hier irgendwo noch meinen schwarzen Gürtel liegen, falls Dir die Urkunden nicht reichen", schiebe ich noch trocken nach.
Wortlos öffnet der schweigsame Mitläufer der Beiden den Geldbeutel und bezahlt mit ziemlich verknitterten Scheinen die vermeindliche "Beute".  Übrigens, auf die EUR 2.40 Restgeld vezichten die Beiden großzügig. Trinkgeld für den "Großmeister".