Manchesmal sind die einfachen Dinge kompliziert. 20Km ist für einen "Außenstehenden" eine glatte Sache.
Für einen Läufer ist es eher ein krummer Lauf. Gerechnet wird unter den "Eingeweihten" nicht nach "Otto Normalverbraucher" sondern in Marathonmaßen. Und dann ist ein normaler Lauf eben 42,195 Kilometer und ein gerader "Halber", folgerichtig 21,100 Kilometer.
Am 12.Oktober jedenfalls habe ich mich für einen krummen 20er entschieden. Für die meisten ist dieser Lauf eher unbekannt. Für die Franzosen ist es "der Klassiker".
Die Welt um mich ist paradox. Letzte Woche war ich beim Arzt um mir ein Attest für irgend einen Herbstmarathon in Italien oder Frankreich ausstellen zu lassen. Mir besten Ergebnissen und einem fröhlichen Lächeln verließ ich nach der Untersuchung die Praxis. Inzwischen habe ich wieder Knie und Wadenbeschwerden dass es mir schon schwer fällt, ein paar gerade Schritte zu gehen.
Aber es gibt immer ein Licht am Himmel das aufhellt.
Wenn es Frauen schlecht geht hilft meistens eine Shoppigtour. Bei mir ist es ähnlich gelagert. Ich buche dann einfach einen Lauf, und die Welt ist wieder in Ordnung. Äh, bis auf die Beine, die tun immer noch weh.
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Sonntag, 3. August 2014
Montag, 29. April 2013
Heidelberg Halbmarathon - oder das Leben geht weiter
Boston ist überall. Auch in Heidelberg beim Halbmarathon gab es eine Trauerminute. Sorgen um die Läufer, Sorgen um sich selbst, Sorgen um die vielen Zuschauer, Sorgen um die eigene Familie die zuschaut und anfeuert.
Aber das ist nicht alles. Es herrscht auch große Freude unter allen Beteiligten. Die Spannung vor dem Start übertrumpft alle Ängste. Und das ist gut so, denn es muß "weiterlaufen".
Der Laufsport soll und wird die Menschen auch weiterhin mehr verbinden als trennen.
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Nach langer Wettkampfabstinenz wollte ich in Heidelberg mal wieder ersthaft in meinen Körper hören. Die letzten Wochen war ich zwar viel unterwegs, aber wenig gefordert. Ich "schläppelte" durch den Pfälzerwald nach meinen eigenen Geschwindigkeitsvorgaben. Heute wollte ich mich mal wieder nach den Vorgaben meiner Mitstreiter richten. Und das ist in Heidelberg nicht ganz einfach.
Der Halbmarathon in der Neckarstadt gehört zu den populärsten seiner Art in ganz Deutschland. Entspechend ist sein auserlesenes Teilnehmerfeld. Meist schaffen es nur Insider und Szenenkenner an die begehrten Startplätze zu kommen. Oft war der Lauf in den vergangenen Jahren schon nach einem Tag ausgebucht. "Warnhinweise für Anfänger" in der Ausschreibung sorgen für zusätzlichen Nervenkitzel.
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Trotz Wetterrückfall in den Winter hatte ich auf ziemlich luftige Kleidung gesetzt. So fiel mein Top im Konzert der vielen winterlich gekleideten Läufer ziemlich auf. Aber spätestens in den Anstiegen der Heidelberger Berge war ich von meiner Kleiderwahl begeistert.
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Nach den ersten flachen Kilometern hatte mein geistiger Rechenschieber mir Traumzeiten hochgerechnet. Da lagen aber auch die Anstiege noch in weiter Ferne. Als Kind der Mittelgebirge hat man zwar Respekt aber keine Angst vor Bergen. Nach 10 Kilometer war der erste "Buckel" geschafft, und ich wieder in der Realität angekommen. Es folgten lange Abwärtspassagen und dann stand als letzter Kraftakt die "Schloßbesteigung" an. Im Gegensatz zum ersten Anstieg waren jetzt schon sehr viele müde Beine gehend unterwegs. Ein Freibier kurz vor dem letzten Abstieg sorgte bei Manchem nochmals für flotte Gelenke auf den letzten Kilometern.
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Hatte mein Rechner, wie eingangs beschrieben noch Traumzeiten prognostiziert, mußte ich mich am Ende mit einer Wunschzeit zufriedengeben. Ich wollte unter 2:20 Std. laufen , 2:17 Std. sind es geworden.
Für mich eine Primazeit. Sodaß die Falten auf dem Bild rein vom Alter, und nicht vom Ärgern kommen.
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Dienstag, 3. April 2012
Berliner Erlebnisse
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Denn mancher Zuschauer hatte noch vor Augen, dass im letzten Jahr, keine hundert Meter vom Ziel entfernt, ein Läufer zusammenbrach, und einige Tage auf der Unfallstation um sein Leben rang.
Keine Sorgen brauchte man sich um mich zu machen, denn trotz Knieproblemen hatte ich nie Zweifel, meinen Halbmarathon in Berlin durchzustehen. Wieder einmal ohne Uhr aber unter großem Zeitdruck startet mein Läuferblock mit nahezu 30 Minuten Verspätung.
Mein Problem: Wie mache ich es dem Lockführer meines Zuges klar, dass ich etl. mit Verspätung am Bahnhof eintreffe. Dank meiner Sprintfähigkeiten im Bahnhofsbereich ist aber alles gutgegangen.
Egal ob Halbmarathon im Frühling oder der Marathon im Herbst. Berlin bietet eine gigantische und unglaubliche Kulisse. Auch wenn Citymarathons nicht mehr zu meinen Lieblingsdisziplinen gehören, hier wird man unweigerlich mitgerissen. Man glaubt, ganz Berlin steht Kopf wenn die Läuferinnen und Läufer ihre Runde durch die Innenstadt ziehen.
Der Halbmarathon von Berlin ist ein Lauf durch die jüngste Deutsche Geschichte.
Vom Fernsehturm am Alexanderplatz, der zu DDR Zeiten als Vorzeigeobjekt bis tief in den Westen zu sehen war, geht es durch die berühmte Straße „Unter den Linden“ Richtung Brandenburger Tor. Hier atmen normalerweise die „Marathonis“ auf, denn ihre „Leiden“ gehen dort zu Ende. Für die „Halben“ beginnen sie nun erst.
„Die Straße des 17.Juni“ will kein Ende nehmen. Zuerst die Siegessäule, dann der Ernst Reuter Platz und endlich, ganz hinten am Horizont taucht das Charlottenburger Schloss auf. Jetzt ist erst einmal Schluss mit dem eisigen Gegenwind. Nach einer langen Kurve macht sich die Strecke nämlich langsam auf den Rückweg.
Der „Kudamm“ ist erreicht. Zuerst spärlich, dann aber geballt stehen die Zuschauer entlang der Absperrungen. Nur, wo ist am Ende des Kursfürstendamms die Gedächtniskirche? Sie fehlt! Nicht ganz, sie wurde nur wegen Renovierungsarbeiten komplett einhüllt.
Das letzte Drittel der Stecke ist angebrochen. Der Potsdamer Platz mit seinem Theater und dem gigantischen Sonycenter erstrahlen im herrlichen Sonnenschein. Am „Boulevard der Stars“ halte ich kurz inne. Aber immer noch hat man keinen Erinnerungsstein von mir in den Boden eingelassen. Vielleicht beim nächsten mal.
Weiter geht es zum wohl geschichtsträchtigsten Ort des kalten Krieges. Hier am „Check Point Charly“ wurde Geschichte geschrieben. Nirgendwo standen sich die Weltmächte aus Ost und West militärisch näher wie hier in der Kochstraße. Den Besuch im Mauermuseum habe ich mir aber für einen anderen Termin vorgenommen.
Nun sind es nur noch ganz wenige Kilometer bis zum Ziel. Auf der Zielgerade wird mir klar, dass mich meine Ausflüge in die Geschichte ganz schön Zeit gekostet haben. Mit 2:24 Std. überlaufe ich die Ziellinie.
Für das versprochene Bier bleibt keine Zeit. Nahezu fluchtartig verlasse ich den Zielbereich.
Wie schon beschrieben, mein Zug wartet nicht auf Nachzügler.
Die drei Berliner Tage haben mich wieder mächtig aufgewühlt. Als „Provinzler“ ist vieles nicht nachvollziehbar. Die Lautstärke, die Hektik und das Überangebot von Allem faszinieren und erdrücken gleichermaßen. Der Hunger nach diesem bunten Treiben lockt mich zwar immer wieder hierher, was aber nicht bedeutet, dass ich hier auch leben möchte.
Die Ruhe des Pfälzerwaldes hat für mich höhere Werte.
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„Banges Warten auf den Liebsten“, habe ich dieses Bild genannt.
Denn mancher Zuschauer hatte noch vor Augen, dass im letzten Jahr, keine hundert Meter vom Ziel entfernt, ein Läufer zusammenbrach, und einige Tage auf der Unfallstation um sein Leben rang.
Keine Sorgen brauchte man sich um mich zu machen, denn trotz Knieproblemen hatte ich nie Zweifel, meinen Halbmarathon in Berlin durchzustehen. Wieder einmal ohne Uhr aber unter großem Zeitdruck startet mein Läuferblock mit nahezu 30 Minuten Verspätung.
Mein Problem: Wie mache ich es dem Lockführer meines Zuges klar, dass ich etl. mit Verspätung am Bahnhof eintreffe. Dank meiner Sprintfähigkeiten im Bahnhofsbereich ist aber alles gutgegangen.
Egal ob Halbmarathon im Frühling oder der Marathon im Herbst. Berlin bietet eine gigantische und unglaubliche Kulisse. Auch wenn Citymarathons nicht mehr zu meinen Lieblingsdisziplinen gehören, hier wird man unweigerlich mitgerissen. Man glaubt, ganz Berlin steht Kopf wenn die Läuferinnen und Läufer ihre Runde durch die Innenstadt ziehen.
Der Halbmarathon von Berlin ist ein Lauf durch die jüngste Deutsche Geschichte.
Vom Fernsehturm am Alexanderplatz, der zu DDR Zeiten als Vorzeigeobjekt bis tief in den Westen zu sehen war, geht es durch die berühmte Straße „Unter den Linden“ Richtung Brandenburger Tor. Hier atmen normalerweise die „Marathonis“ auf, denn ihre „Leiden“ gehen dort zu Ende. Für die „Halben“ beginnen sie nun erst.
„Die Straße des 17.Juni“ will kein Ende nehmen. Zuerst die Siegessäule, dann der Ernst Reuter Platz und endlich, ganz hinten am Horizont taucht das Charlottenburger Schloss auf. Jetzt ist erst einmal Schluss mit dem eisigen Gegenwind. Nach einer langen Kurve macht sich die Strecke nämlich langsam auf den Rückweg.
Der „Kudamm“ ist erreicht. Zuerst spärlich, dann aber geballt stehen die Zuschauer entlang der Absperrungen. Nur, wo ist am Ende des Kursfürstendamms die Gedächtniskirche? Sie fehlt! Nicht ganz, sie wurde nur wegen Renovierungsarbeiten komplett einhüllt.
Das letzte Drittel der Stecke ist angebrochen. Der Potsdamer Platz mit seinem Theater und dem gigantischen Sonycenter erstrahlen im herrlichen Sonnenschein. Am „Boulevard der Stars“ halte ich kurz inne. Aber immer noch hat man keinen Erinnerungsstein von mir in den Boden eingelassen. Vielleicht beim nächsten mal.
Weiter geht es zum wohl geschichtsträchtigsten Ort des kalten Krieges. Hier am „Check Point Charly“ wurde Geschichte geschrieben. Nirgendwo standen sich die Weltmächte aus Ost und West militärisch näher wie hier in der Kochstraße. Den Besuch im Mauermuseum habe ich mir aber für einen anderen Termin vorgenommen.
Nun sind es nur noch ganz wenige Kilometer bis zum Ziel. Auf der Zielgerade wird mir klar, dass mich meine Ausflüge in die Geschichte ganz schön Zeit gekostet haben. Mit 2:24 Std. überlaufe ich die Ziellinie.
Für das versprochene Bier bleibt keine Zeit. Nahezu fluchtartig verlasse ich den Zielbereich.
Wie schon beschrieben, mein Zug wartet nicht auf Nachzügler.
Die drei Berliner Tage haben mich wieder mächtig aufgewühlt. Als „Provinzler“ ist vieles nicht nachvollziehbar. Die Lautstärke, die Hektik und das Überangebot von Allem faszinieren und erdrücken gleichermaßen. Der Hunger nach diesem bunten Treiben lockt mich zwar immer wieder hierher, was aber nicht bedeutet, dass ich hier auch leben möchte.
Die Ruhe des Pfälzerwaldes hat für mich höhere Werte.
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Sonntag, 14. August 2011
11.September 2011
Allen Läufer(innen), die den Pfälzerwaldmarathon in Pirmasens, noch nicht kennen, möchte ich hier noch einmal die Nase lang machen.
Gestern bin ich die komplette Halbmarathonstrecke gelaufen. Obwohl ich inzwischen jeden Baum und jedes Reh kenne, sind die Eindrücke am Wegesrand immer wieder faszinierend. Aber nicht vergessen, der Pfälzerwaldmarathon ist kein Spaziergang. Allein auf der Halbmarathonstecke kommen knapp 500 Höhenmeter zusammen. Also vorher gut trainieren, nur dann macht auch der letzte Anstieg noch "Spaß".
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Habe ich Euch, liebe Sportsfreude, überzeugt? Übrigens, bei allen bisherigen Läufen des Pfälzerwaldmarathons hat es noch nie geregnet. Anmeldungen könnt Ihr hier vornehmen.
Gestern bin ich die komplette Halbmarathonstrecke gelaufen. Obwohl ich inzwischen jeden Baum und jedes Reh kenne, sind die Eindrücke am Wegesrand immer wieder faszinierend. Aber nicht vergessen, der Pfälzerwaldmarathon ist kein Spaziergang. Allein auf der Halbmarathonstecke kommen knapp 500 Höhenmeter zusammen. Also vorher gut trainieren, nur dann macht auch der letzte Anstieg noch "Spaß".
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Sonntag, 16. Mai 2010
Ein Tag in Bildern
Um 6:00 Uhr war wieder einmal die Nacht zu Ende. Die "Laune" meines Hundes stand auf spazierengehen. Im Nachhinein betrachtet war das ein Glücksfall. Die aufgehende Sonne verwandelte die Natur in fantastische Farben. Das ist beinahe ein Grund öffters früh aufzustehen. Beinahe!
Pünktlich um 10:00 Uhr startete in Pirmasens ein kleiner Berglauf. Ich habe mich nicht getraut selbst zu starten. Vielleicht wären mir die 5 Kilometer geglückt, wahrscheinlich aber eher nicht. Aber es gab sehr viele Freunde und Freundinnen zum anfeuern. Unter anderem war auch mein Freund Martin am Start. Beneidenswert wie er nach dem gestrigen Halbmarathon in Mannheim die "Berge" bewältig hat.
So gegen 18:00 Uhr war ich dann doch noch selbst unterwegs. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kam ich überraschend gut in Schwung. So gut, dass ich meiner geplante Route noch ein Stück anhängte. Der Pfälzerwald ist ein herrliches Lauf und Wandergebiet. Aber man muss teuflisch aufpassen denn Markierungen sind Mangelware. Auch ich wurde heute wieder einmal zum Opfer. Und ich muß gestehen, dass ich glücklich war, nach 80 Minuten wieder "Land" gesehen zu haben. Da ich ohne Uhr gelaufen bin kann ich die Entfernung nur schätzen. Es mögen etwa 10 Kilometer gewesen sein. Und es war der Beste Lauf der letzten 3 Monate. .
Freitag, 4. September 2009
Busgeflüster
Endlich wieder ein herrlicher Sonntag in diesem oft verregnetem Sommer. Es ist 10.00 Uhr und aus allen Himmelsrichtungen strömen Hunderte von Menschen in Richtung eines Sportlertreffs.Die meisten von ihnen sind bunt gekleidet und atmen spürbar Gefühle der Lockerheit und gute Stimmung aus. Böse Worte oder gar Krawalle sind in dieser Welt nicht zu Hause.
Sie haben richtig erkannt- Wir befinden uns mitten unter dem Volk der Marathonläufer.
Die „richtigen“ Marathonis waren bereits vor 2 Stunden hier an dieser Stelle, und sind inzwischen schon einige Kilometer auf der Strecke unterwegs. Übriggeblieben sind nur noch die „Halben“ die demnächst die Minidistanz von 21100 Meter bewältigen müssen.
Viele warten geduldig, manche aber auch sehr ungeduldig auf die Busse, die sie zum Start bringen sollen. Als Betrachter kann man sich kaum ein richtiges Bild von dem machen, was in den Köpfen so mancher Läufer vor sich geht. Zu unterschiedlich sind Sportler vor Ihrem Wettkampf.
Unter einem Baum beobachte ich einen älterer Läufer der noch einmal kräftig an seiner Zigarette zieht, bevor er sie unter dem Fluch „scheiß Ding“ in den Straßengraben befördert. Die Frage einer Läuferin „ist im Bus eine Toilette“ beantwortet sich unter lautstarkem Lachen der ganzen Meute, von alleine.
Als der Bus dann endlich vorfährt, erhält eine Gruppe von Allwissenden eine herbe Schlappe. Der Busfahrer jongliert sein Gefährt an eine Stelle die für viele, den bereits fest ei
ngeplanten Sitzplatz in weite Ferne rücken lässt.Auch ich gehöre bereits vor dem Lauf zum Feld der Geschlagenen und muss mir das weitere Geschehen in Stehen ansehen.
Ich mach das aber ganz gerne. Erstens habe ich hier den besseren Überblick, und zweitens bemerke ich, dass andere den Sitzplatz viel nötiger haben wie ich. Denn bevor der Bus sich überhaupt in Bewegung setzt, ist ein Teil der Sitzenden schon in den Tiefschlaf verfallen.
Nicht eine hübsche Blondine auf die mein Blick immer wieder fällt. Sie quält ihren Klappspiegel und Schminkkasten während der ganzen Fahrt. Beim Eiskunstlauf hätte ich ihre Bemühungen ja verstehen können, aber beim Laufen sind die Kampfrichter Uhren, und die sind nun mal nicht bestechlich.
Lange hatte ich angesichts des nahe liegenden Luftwaffenstützpunktes für einen jungen Mann die Frage auf den Lippen „willst Du in den Krieg ziehen?“, aber ich verkneife sie mir. Denn der Rucksack auf seinem Rücken, und die vier „Trinkhandgranaten“ am Gürtel ließen mich eher auf eine militärische Aktion schließen, wie auf einen Halbmarathon.
Auch das Gespräch zweier Ärzte über den Sinn und Zweck von Aspirin vor einem Lauf ließen mir die Haare zu Berg stehen. Die Sprache der Beiden klang bayerisch, was in mir die Hoffnung weckte, wohl kaum jemals in die ärztliche Obhut dieser Spezialisten geraten zu müssen.
In regelmäßigen Abständen schien mein Puls verrückt zu spielen. Von Scheintod mit 50 Anschlägen bis zum Herztod mit 200 Hammerschlägen blinke auf dem Display meiner Uhr
Jede nur denkbare Zahl auf. Aber das Beste daran ist, ich trage überhaupt keinen Brustgurt. So begehe ich innerhalb von wenigen Minuten tausendfachen Missbrauch mit den sensibelsten Daten meiner Konkurrenten.
Kurz vor der Ankunft passieren wir ein großes provokatives Werbeplakat einer fragwürdigen Partei. „Reichtum für Alle“ steht dort auf großen Lettern geschrieben. Nachdenkl
ich geworden schweift mein Blick noch einmal durch den inzwischen hellwach gewordenen Bus.Topmoderne Bekleidung der großen internationalen Sportartikelhersteller bestimmen eindeutig das Geschehen. Auch das wichtigste Werkzeug der Läufer, die Schuhe, lässt keine Zweifel aufkommen. Discounterware passt nicht an ambitionierte Sportlerbeine. Während fröhlich lachende Läufer mit Designersonnenbrillen und High Tec Computern am Arm aus dem Bus strömen fällt mir wieder ein Bericht über junge afrikanische Läufer ein. Teils barfuss, teils mit abgetragenen Latschen ertragen sie echte Armut mit einem Lächeln auf den Lippen und der Hoffnung, irgendwann einmal mit eigenen Schuhen laufen zu dürfen.
Klar, der Vergleich hinkt. Aber anstelle flacher Parolen sollten wir mit viel Demut "unsere Armut" ertragen.
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